Aus gegebenem Anlass müssen wir uns in unserem Leben wieder umstellen. Mein Mann bekam vor einigen Tagen eine schlechte Diagnose, was seinen Gesundheitszustand anbelangt. Normale Untersuchungen beim Arzt ergaben keine Ergebnisse, weshalb wir eine Körperflüssigkeitenanalyse in einem Institut haben durchführen lassen. Natürlich mussten wir das selbst bezahlen, wie nahezu alles, was wirklich helfen soll.
Nun stellen wir unsere Ernährung noch etwas um. Bislang habe ich alles frisch gekocht, Fertiggerichte sind nahezu unbekannt bei uns. Nun muss/ sollte ich auf Bioprodukte umsteigen, um die Schadstoffbelastung so gering wie nur möglich zu halten. Die ersten Schritte sind getan, im Kühlschrank findet sich nunmehr nur noch Ökogemüse und -obst.
Bislang war ich der Meinung, konventionelle Lebensmittel sollten genügen, da frisches Obst und Gemüse in der Regel als gesund gilt. Nun stand ich vor dem Ergebnis und bekam gesagt, wir würden falsch einkaufen. Ja, mein Mann war bislang der Verweigerer, was Obst und Gemüse anbelangt, und doch habe ich so oft es ging ihm solches “untergejubelt”.
Auch lehnte er bislang Bioprodukte ab, da er der Meinung war, das konventionelle Gemüse sei ebenso gesund. Natürlich mag das stimmen - aber momentan muss ich mir Gedanken machen, wie wir meinen Mann wieder gesund werden lassen. Und für mich stand fest, der Wechsel zum Biogemüse und -obst ist nur ein Schritt des Weges.
Im Zuge des Wechsels mache ich mir natürlich Gedanken, ob es nicht normal sein sollte, Lebensmittel (und nicht Nahrungsmittel) natürlich herzustellen. Ist es nicht pervers, dass man einen höheren Preis bezahlen muss, um Lebensmittel im Grundzustand kaufen zu können? Immer wieder liest und hört man Debatten, unsere Lebensmittel seien zu billig. Bislang habe ich mich im Mittelfeld bewegt und gern die Wust für 69 Cent pro 200g liegen lassen. Etwa 3,50 Euro für ein Kilo Wurst? Wie viel Abfall wird dort mit verarbeitet?
Auch musste ich neulich schlucken, als ich unseren Kühlschrank ausgeräumt habe. Ja, wir kaufen viel zu viele Lebensmittel. Was ich im Monat an Lebensmitteln fortwerfe, ist mir bislang nie wirklich bewusst gewesen. Doch im Zuge der höheren Augaben für Biolebensmittel mache ich mir Gedanken, ob so viel denn wirklich von Nöten ist? Brauchen wir wirklich 4 Sorten Wurst im 200g-Paket? Erstmals bin ich dazu übergegangen, beim Metzger von jeder interessanten Wurst einfach 2 Scheiben pro Sorte abschneiden zu lassen. Diese Auswahl hat man im Supermarkt einfach nicht.
Wenn wir wirklich gegenrechnen, für welchen Wert wir im Monat Lebensmittel fortwerfen, sollte eine Ernährung mit hochwertigeren Lebensmitteln machbar sein. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, man möchte von allem etwas haben, doch wir haben den wirklichen Wert vergessen, weil wir nur über Masse, nicht über Klasse nachdenken. Und letztendlich spiegelt der Wert der Lebensmittel den Wert des Menschen wider. Damit meine ich keinesfalls den Preis, sondern viel mehr den Wert, den die Ernährung für einen selbst hat.
Dass die “Ernährung” mit Dosenkonserven auf Dauer ungesund ist, sollte jedem bewusst sein. Doch kenne ich kaum noch Menschen, die wirklich selbst kochen. Kochen ohne Fixprodukte scheint den meisten undenkbar, fast unmöglich. Meine eigenen Kochkünste halte ich für durchschnittlich, und doch höre ich von Besuchern immer wieder, ich würde hervorragend kochen und wäre in der Lage, ein mittleres Gastronomiegewerbe zu eröffnen. Leute, meist setze ich euch absolut einfache Gerichte vor, die keiner großen Kochkunst bedürfen! Bei vielen Besuchern auf einmal nehme ich meist einen großen Topf und schneide alle Gemüsesorten rein, die ich finden kann. Mit Kräutern, Salz und Pfeffer und einigen gehackten Zehen Knoblauch gewürzt, mutet es als das einfachste Gericht der Welt an. Einige Scheiben Brot dazu, und alle sind glücklich. Wozu braucht man da einen Beutel?
Meistens beschäftigt man sich mit Ernährung erst dann, wenn im Leben doch etwas falsch läuft. Ich beschäftige mich zwangsläufig mit Ernährung, da ich zu Übergewicht neige und trotz vermeintlich richtiger Ernährung zu viel auf den Hüften trage. Ja, ich sündige hin und wieder. Ja, ich treibe zu wenig Sport, wenngleich die Gründe dafür in meiner Gesundheit verankert liegen und ich gern wieder Sport machen würde, wenn ich hernach nicht mit noch schlechteren Blutwerten und Beschwerden zu kämpfen hätte. Meinem Mann war Ernährung bislang egal, hauptsache es schmeckt. Meine Kochkünste reichten aus, um ihn zu begeistern und sicherten ihm ein gewisses Maß an Gesundheit. Und doch muss ich mich wie eine Mutter vor ihr Kind stellen und ihn von gesunder Ernährung überzeugen. Ja, auch ich muss mich oft zwingen, einen Apfel statt eines Schokoriegels zu essen. Natürlich macht uns ein Stück Schokolade schneller glücklich, und gegen ein gutes Stück Zartbitter kann ich mich schlecht wehren. Aber auch da kommt es mir auf Qualität statt Quantität an.
Die Wirtschaft sieht uns Konsumenten nicht mehr als Menschen an, wir haben den Wert als Menschen verloren. Wir sind Kühe, die für promillegroße Gewinne gemolken werden. Es geht nicht darum, uns gesund zu machen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Hunger unbekannt ist, doch gesunde Ernährung wird durch billigen Industriemüll ersetzt. Alle sparen, die Produzenten, die Konsumenten, die Gesundheit. Mein liebstes Beispiel ist Toastbrot. Ich kenne einige, die sich ausschließlich von Toastbrot ernähren, weil es billig ist. Dabei macht es weder satt noch schmeckt es in irgendeiner Weise. Ja, es ist billig, aber zu welchem Preis? Meist besitzen diese Leute hochwertige Handys, teure Kleidung und geben das eingesparte Geld für unnötigen Kram aus. Ja, für Kram. Lebensmittel werden keine mehr gekauft, es geht nur noch um Nahrung, um Nahrungsmittel, die möglichst billig sein müssen. Natürlich habe ich auch lange nach dem günstigsten Ausschau gehalten. Ich sage absichtlich nach dem günstigsten, den billiges, gefrorenes Hackfleisch habe ich seit Jahren nicht gekauft. Dieses Hackfleisch hat keine Konsistenz von Fleisch, und manchmal zweifle ich, was sich wirklich darin befindet. 500g für 1,50 Euro? Ja, man kann damit günstig eine Familie satt machen. Aber warum wollen wir das? Weil wir das Geld für “dringenderes” benötigen. Einen neuen Fernsehr, neue Markenklamotten, neue Technik. Ja, das sind die neuen “Lebensmittel”.
Nebenbei geben wir mehr Geld aus als je zuvor für Medikamente, die wir teilweise nicht bräuchten mit der richtigen Lebensweise. Ja, mein Mann hat durch teilweise falsche Ernährung seinen Preis bezahlt, ein übersäuerter Körper rächt sich eines Tages.
Ich frage mich, ob wir ohne Werbung echter Leben würden.
Würde jemand seinen Lebenswandel ändern, ohne dass es einen konkreten Anlass gibt? Und wie viele ändern aus Bequemlichkeit ihren Lebenswandel nicht, auch wenn es einen konkreten Anlass gibt? Leider habe ich zu oft erlebt, dass Ärzte von den Menschen einen Wandel gefordert haben und diese mit den Schultern zucken, um zu sagen: “Ich kann nicht.”
“Ich kann nicht.”
Mein Lieblingssatz. Wenn ich alles abgebrochen hätte, was mir nicht leicht fiel, hätte ich kein Abitur und würde wohl über 100kg auf die Waage bringen. Ja, ich bin nicht schlank. Aber meine Probleme sind kosmetischer Natur, laut Ärzten befinde ich mich nicht im Gefahrenspektrum. Natürlich kann man mal, wenn es einem nicht gut geht, zu einem Fertiggericht oder dem Lieferservice greifen. Dauerhaft sollte das aber nicht der Fall sein.
Wie viele haben jetzt alle Möglichkeiten und haben doch immer ein “Ich kann nicht!” auf den Lippen? Weitergeführt wird es durch ein: “… weil…” Ja, weil die Gesellschaft schlecht ist. Ja, weil die Situation auf dem Arbeitsmarkt schlecht ist. Ja, weil die Umstände schlecht sind. Ja, weil die Gesundheit schlecht ist.
Ich habe eine Bekannte, die vor Jahren von einem Auto angefahren wurde. 6 Monate Koma, ein offener Schädelbruch, nahezu alle Knochen gebrochen. Aussage der Ärzte waren: “Das Mädchen wird niemals wieder laufen, niemals wieder richtig sprechen können.” Letztes Jahr hat sie ihr Abitur gemacht, wurde nach vielen Aufnahmeprüfungen für ihr Traumstudium angenommen und hat jetztes Jahr in einem Musical die Hauptrolle gespielt. Diese junge Frau sagte niemals “Ich kann nicht”, sondern lächelte ihre Probleme weg und sagte: “Ich will!”
Diese Frau ist meine persönliche Heldin.
Nachwievor hat sie Beschwerden, und doch sieht man sie immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie ist fröhlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. Und für dieses Jahr habe ich sie zu meinem Vorbild auserkoren.
Von Natur bin ich mit der einen oder anderen Krankheit ausgestattet, weshalb mein Weg ein schwieriger ist. Und ja, es gibt Momente, da möchte ich einfach alles hinwerfen. Aber ich habe meinen Mann, meinen wundervollen Mann, und er gibt mir die Kraft, jeden Tag aufzustehen. Und nun muss ich ihm die Kraft geben, wieder gesund zu werden.
Was ist mir mein Mann wert? Alles. Gern gebe ich mehr Geld für Bioprodukte aus, auch wenn ich dafür nicht in den Urlaub fliegen kann. Gern gehe ich zweimal im Monat zum Heilpraktiker mit ihm, um ihn wieder gesund werden zu lassen. Ärzte haben für mich ausgedient, die meisten haben den Wert des Menschen vergessen. Sie sind ein Teil des Systems, in dem die Ware Mensch Gewinne ausschütten muss. Natürlich arbeiten Ärzte viel und viele sind in dem, was sie tun, großartig. Leider habe ich bislang kaum solche Ärzte erlebt. Gäbe es die Naturmedizin nicht, ich könnte heute wohl nicht mehr laufen. Und ich bin es mir wert, nicht nur zu jammern, sondern auf Luxus zu verzichten, um mir Lebensmittel zu kaufen. Lebensmittel ist nicht nur Nahrung, es ist alles, was das Leben wirklich lebenswert erscheinen lässt. Und Gesundheit sollte dazu gehören.
Meine Ausführungen muten heute wirklich konfus an, aber ich habe momentan Probleme, alle Gedanken zu ordnen, die in meinem Kopf herumschwirren.
Daher meine Bestellung ans Universum: Hilf uns, wirklich gesund zu werden und unseren Weg zu gehen.